Plaudereien

Die Zukunft vorhersagen

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Ein paar erstaunliche Dinge habe ich in diesem Jahr gelernt. Wussten Sie, dass Schimpansen zu einer vielfach größeren Kurzzeit – Gedächtnisleistung fähig sind, als wir Menschen? Einer der führenden Primatenforscher aus Japan hat das in langjährigen Forschungen anhand erstaunlicher Experimente bewiesen. Seine These ist übrigens, dass wir Menschen diese Fähigkeit mit dem Erwerb der Sprache und der Fähigkeit zum kognitiven Austausch verloren haben. (Ein interessantes Video dazu findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=ktkjUjcZid0 )

Die Entwicklung und die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns sind ganz allgemein ein Thema, das mich in 2018 fasziniert und begleitet hat.
Energie und Information, sind die Bausteine des Universums und Hans Peter Dürr formulierte so treffend: „Wirklichkeit ist im Grunde Potentialität, nicht Realität.“ Das bringt den nachdenklichen Interessenten irgendwann zu der Frage, was es mit unserem Bewusstsein und unserer Wahrnehmung der Wirklichkeit denn auf sich hat. Die Hirnforschung bestätigt uns, dass jeder von uns seine eigene Vorstellung von der Wirklichkeit hat, obwohl wir durch unsere Sinnesorgane doch ein und dieselben Informationen erhalten. Wir können aus dem, was wir beobachten, auf das schließen, was als Nächstes oder in überschaubarer Zukunft passieren wird, wobei wir auch in diesem Fall zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen und Erwartungen kommen. Grundsätzlich war und ist diese Fähigkeit allerdings für unser Überleben von immenser Bedeutung.

In seinem Buch „Unser mathematisches Universum“ schreibt der Kosmologe und Wissenschaftsphilosoph Max Tegmark, dass einer der Hauptzwecke der Wissenschaft und in der Tat auch einer der Hauptzwecke, ein Gehirn zu haben, die Vorhersage unserer Zukunft sei.
Unsere Wirklichkeit, so weist er in diesem interessanten Buch nach, kann eine mathematische Struktur sein, die Raum, Zeit, Materie und sogar uns selbst enthalten kann. Er folgert daraus, dass wir, zumindest im Prinzip, imstande sein könnten, durch Analyse von Beobachtermomenten Vorhersagen über unsere Zukunft machen könnten.

Nun, im Prinzip tun wir das ja auch, nur wählt unser Gehirn nicht den Weg über komplizierte, mathematische Berechnungen. Wenn ein Basketballspieler den Ball in Richtung Korb wirft, dann weiß er, dass der Ball den Weg einer Parabel nehmen wird und intuitiv kann er bestimmen, wieviel Kraft er mit seinem Arm auf den Ball ausüben muss und welchen Bogen sein Arm beim Wurf beschreiben muss, damit der Ball in den Korb trifft. All das könnten wir auch berechnen, aber offensichtlich hat unser Gehirn einen Weg gefunden, in Echtzeit den Istzustand mit Erfahrungswerten abzugleichen um das gewünschte Ergebnis herbeizuführen.

Für die prinzipiell mögliche Vorhersage unserer Zukunft allgemein hat unser Gehirn keine so geniale Abkürzung gefunden und eine entsprechende mathematische Berechnung liegt vollkommen außerhalb unserer Möglichkeiten. Dabei wäre es doch gerade am Ende eines Jahres überaus wünschenswert, einen realistischen Blick in das tun zu können, was das Leben im nächsten Jahr für uns bereit hält. Ein paar Dinge können wir natürlich schon vorhersagen und planen. Der Schimpanse weiß z.B., dass nach jedem erfolgreichen Durchlauf eines Gedächtnisexperimentes – das wir Menschen übrigens nicht einmal ansatzweise bewältigen könnten – aus einer Klappe ein Nahrungshappen in eine Auswurföffnung fällt, wo er ihn entnehmen kann. Etwas mehr ist uns Menschen dann doch möglich. Urlaub, Geburten, Festtage, Beförderungen, Jobwechsel, sehr vieles lässt sich planen und voraussehen.

Allerdings können wir nur solche Fixpunkte und Highlights mit halbwegs akzeptabler Wahrscheinlichkeit voraussehen. Ob der Lieblingsbäcker am 2. Januar morgens um 10:00 Uhr noch Sesambrötchen haben wird, können wir genauso wenig mit Bestimmtheit sagen, wie wir voraussehen können, ob an der Einmündung zur größeren stark befahrenen Straße, jeder immer die Vorfahrt beachten wird, ob wir gesund bleiben, unseren Job definitiv behalten werden oder unsere Partnerschaft auch im kommenden Jahr Dick und Dünn aushalten wird.

Wenn, wie Tegmark es ausdrückt, der Hauptzweck unseres Gehirns darin liegt, die Zukunft vorhersagen zu können, dann jedenfalls auf eine sehr eingeschränkte Weise. Natürlich ist es überlebensnotwendig in jedem Moment voraussehen zu können, welche Ereignisse unsere Handlungen unmittelbar zur Folge haben werden, um nicht schon an der nächsten roten Ampel getötet zu werden. Aber das ist keine sehr große Zeitspanne und es wäre doch eine feine Sache, ein wenig weiter sehen zu können.
So bleibt uns nur die Möglichkeit zu nehmen, was kommt und wie es kommt. Wir sind gezwungen, auf alles gefasst zu sein und doch nichts definitiv erwarten zu können. Diese eingebaute grundlegende Unsicherheit des menschlichen Lebens, verstehen wir hervorragend zu verdrängen und zu übertünchen.

Im Grunde ist diese Unsicherheit allerdings auch nur dann von Bedeutung, wenn wir auf uns allein gestellt sind und unsere Existenz einer von unzähligen Zufällen im Laufe der Entstehung des Universums ist.
Ob die Zeit nun fließt oder nicht, ob sie eine Illusion ist oder einfach nur ein Hilfskonstrukt, dass uns ermöglicht zu leben und zu erleben, verliert seine Relevanz angesichts der Tatsache, dass es einen Ursprung, einen Schöpfer und Erhalter all dessen gibt, was ist. Für ihn sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überschaubar und wer sich ihm anvertraut, dem gibt er die Gewissheit, dass am Ende alles gut sein wird. Im Vertrauen darauf, lässt sich auch 2019 mit froher Erwartung angehen, wie all die Jahre zuvor.

Diese frohe Erwartung voller Gelassenheit und doch auch voller Hoffnung, wünsche ich allen meinen Lesern.

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Just a dream

Manche Gedanken und Empfindungen verlangen zwingend danach, in einem Song hörbar gemacht zu werden. Hier einer meiner Songtexte, der noch auf eine Melodie wartet.

Profil Atlantik

Just like a dream

1 Went out for a walk this morning
hoping to meet an early bird
I came across an old man
wearing a long white skirt
He smiled at me and disapeared
just like a dream
just like a dream

2 Entered a shop at the corner
wanting to buy some cigarettes
But when I searched my pockets
I found no money left
The smell of smoke vanished away
just like a dream
just like a dream

Ref. Can you tell a dream from reallity
do you know what’s real and what’s fantasy
Life’s but a dream so you better dream wild
it’s running out fast and soon you’ll know
it was nothing but a dream

3 Talked to a woman at the busstop
who claimed waiting there for years
She pulled out a peace of paper
said it’s all written here
I saw letters swirling arround
just like a dream
just like a dream

4 Slipped through a churchdoor for some rest
The choir in perfect harmony sang
Ride on the wings of the morning
dwell in the deep blue see
Life is a short breath of wind
just like a dream
just like a dream

Ref. Can you tell a dream from reallity
do you know what’s real and what’s fantasy
Life’s but a dream so you better dream wild
it’s running out fast and soon you’ll know
it was nothing but a dream

5 Asked the Most High for an answer
explain the uncertainty of life.
I started to dream this universe
before the ages began.
The world, he said with a smile
is only a dream
is only a dream

Bridge We’re all children of a dreamer
living in a colorful dream
so who cares if it’s real or just fantasy,
call it life or call it a dream
At the day we wake up it all has an end.

Ref Can you tell a dream from reallity
do you know what’s real and what’s fantasy
Life’s but a dream so you better dream wild
it’s running out fast and soon you’ll know
it was nothing but a dream

(C) Gert Adameit
Foto: Sabine Adameit

Draußen sind die Verrückten

551928_original_R_K_B_by_Petra Bork_pixelio.de

Wenn Schulz darüber nachdachte, erschien es ihm eigentlich gar nicht so schlecht, jetzt in der Psychiatrie zu sein. Immerhin – er wurde hier gut versorgt. Die lästigen Dinge des Alltags wurden ihm abgenommen und für alles Unerfreuliche und Ärgerliche, war er hier unerreichbar.

Leise kicherte er in sich hinein. Etwas, das ihm andernorts verwunderte Blicke eingebracht hätte. Hier war es erlaubt und wurde akzeptiert.

Schulz richtete seinen Blick nach innen. Etwas, das bei ihm schon immer mit einer intensiven Drehung seiner Augäpfel nach oben verbunden war. So waren Iris und Pupille kaum noch sichtbar und das dominierende Weiß seiner Augäpfel ließ sein Gesicht unwirklich erscheinen. Dieser Anschein der Unwirklichkeit schien dann seinen gesamten Körper zu umgeben. So, als sei er plötzlich irgendwie gasgefüllt und kurz davor abzuheben und davonzuschweben. In solchen Momenten gelang Schulz etwas, was den Physikern gleichermaßen wie den Philosophen dieser Welt bisher verwehrt geblieben ist. Er tauchte in das Nichts ein. Etwas, das nicht zu beschreiben oder zu definieren war, das weder vermessen, noch berechnet werden konnte.

Schulz hätte es auch nicht zu beschreiben vermocht. Er war sich dessen nicht einmal bewusst, aber es gelang ihm scheinbar mühelos in dieses geheimnisvolle Nichts zu wechseln. Dort gab es kein Innen, kein Außen und nicht einmal Schulz selbst existierte dort noch. Das Nichts enthielt absolut nichts.

Schulz öffnete die Augen. Plötzlich war alles wieder da. Der kleine qualmgefüllte Raucherraum, das halbe Dutzend Patienten um ihn herum und auch er selbst. Alles wurde wieder wirklich und greifbar. Schulz liebte diese Momente, waren es doch die wenigen Augenblicke, in denen er seine eigene Existenz und seine Umgebung ganz deutlich wahrnehmen konnte. Wie neu, frisch und sauber, nicht von Gefühlen oder Gedanken verschmutzt und belastet. Diese kleinen Wiedergeburten, sozusagen die Neuerschaffungen der Wirklichkeit, reihten sich wie glänzende Perlen an einer edlen Schnur auf. Für Schulz war es seine Lebenskette, ein kostbares einzigartiges Kunstwerk.

Die Zigarette in seiner Hand war mittlerweile fast verqualmt und ein langer Aschewurm auf das Tischchen neben den Aschenbecher gefallen, was ihm ärgerliche Blicke der Anderen einbrachte, aber das war Schulz egal.

Was soll’s?“ dachte er, „Ich bin ein Idiot und deshalb darf ich das.“

Schulz warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Die Gesprächsgruppe würde gleich beginnen. Hastig verließ er das kleine verqualmte Zimmer und machte sich auf den Weg zum Gruppenraum. „Nehme ich den Aufzug oder die Treppe?“ überlegte er, während er mit schnellen Schritten den langen Flur entlang lief. Er kam zu dem Schluss, dass in beiden Fällen das Ergebnis gleich sein würde. Unschlüssig stand er schließlich am Treppenaufgang und sein Blick wechselte von der Treppe zur Aufzugtür und wieder zurück zur Treppe.

In ihm stieg eine undeutliche, aber doch wahrnehmbare Erinnerung an das letzte Gruppengespräch auf. „Wie geht es dir heute?“ war er gefragt worden.

„Was für eine blöde Frage, wie soll ich das wissen? Da musst du meinen Arzt fragen.“ hatte er geantwortet und damit allgemeines Gelächter hervorgerufen. Gleichermaßen verwundert und erfreut, hatte Schulz in das Gelächter eingestimmt. Er war sich durchaus darüber im Klaren, dass ja auch die anderen Patienten ärztlich genehmigte Idioten waren und man also mit allem rechnen musste. Nach seinem ureigenen, tiefen Empfinden, war zusammen lachen ohnehin fast so schön, wie zusammen weinen.

Er setzte sich auf die Treppe, um gleich mal ein wenig zu weinen. Seine Erfahrung hatte ihn gelehrt, dass man durchaus auch allein lachen oder weinen konnte, man brauchte dazu weder einen Anlass, noch unbedingt Gesellschaft. Es tat trotzdem gut.

Urplötzlich hatte Schulz eine Idee. Er würde sich einfach ein Wannenbad gönnen. Dazu war weder die Entscheidung zwischen Treppe und Aufzug nötig, noch würde ihn jemand fragen, ob es ihm gut ginge. Der Rückweg durch die Station war problemlos. Keine Schwester, kein Pfleger, kein Therapeut und kein Arzt hatte ihn bemerkt. Wenn doch, dann wussten sie jedenfalls nicht, wo er in diesem Augenblick hätte sein sollen.

Wie jedesmal bei der Benutzung des großen Badezimmers auf der Station, blieb er stehen, um das Schild an der Tür sorgfältig zu studieren. Dort stand, man solle während eines Wannenbades den Wäschewagen vor die Tür stellen. Schulz empfand diese Anweisung als geheimnisvoll undurchschaubar. Letztlich endeten seine Überlegungen immer mit dem Entschluss, dass Badezimmer zu betreten, die Tür abzuschließen, den Wäschewagen vor die Tür zu schieben und sie auf diese Weise sorgfältig zu verbarrikadieren. Den Sinn dieser Anordnung, den Eingang zum Bad mit dem Wäschewagen zu versperren, würde er wohl nie ergründen, aber in der Psychiatrie herrschten andere Regeln, das hatte schon verstanden und irgendwie auch einsehen können.

Voller Vorfreude ließ Schulz das Badewasser ein. Im Badezimmer verteilt standen einige Flaschen Duschgel und Badezusätze, die Schulz einsammelte und großzügig mit seinem Badewasser mischte. Fasziniert beobachtete er, wie die verschiedenfarbigen Flüssigkeiten sich mit dem Wasser vermischten, das schließlich eine schmutzig violette Färbung annahm.

Wie Omas Morgenmantel!“ rief Schulz lachend und ließ sich fröhlich in die Wanne gleiten. Das Wasser war von einer dicken Schicht Badeschaum bedeckt und Schulz stellte sich immer vor, dieser Schaum sei eine wunderschöne nackte Frau, die sanft und zärtlich über seinen Körper glitt. Schulz beschloss, dies Erlebnis in seine Liste der schönsten Gefühle aufzunehmen, gleich hinter Weinen und Lachen.

Langsam ließ er sich tiefer in die Badewanne gleiten, bis sein Kopf ganz unter Wasser war. Er wartete ein wenig und ließ dann Luft in kleinen Stößen aus seinem Mund nach oben steigen. Es bildeten sich kleine Luftblasen, die rasch aufstiegen und an der Wasseroberfläche platzten.

Denken, nannte Schulz das. Genau so spielte sich das in seiner Vorstellung im Kopf ab. Kleine Blasen stiegen von irgendwo tief unten auf, dehnten sich aus und zerplatzten. Nach ein paar Minuten war er das Denkspiel leid geworden. Er richtete sich auf und sah auf die immer noch das Wasser bedeckende Schaumschicht.

Langsam hob er einen Fuß an, so dass der große Zeh sich ein Stückchen aus dem Schaumteppich hob und sang lächelnd ein Lied aus Kindertagen:

Siehst du den Mond dort stehen, er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind gar manche Sachen, die wir getrost verlachen, weil uns’re Augen sie nicht seh’n.“

Mit einem Ruck hob er seinen Fuß aus dem Wasser und kreischte: „Aaahhh ein Monster!“ Der zweite Fuß folgte und er rief halb lachend und mit ein wenig Panik in der Stimme: „Oh oh, noch eines! Hinweg mit euch!“

Platschend ließ er beide Füße wieder ins Wasser fallen und hielt sich vor Lachen den Bauch. Er griff nach einer Shampooflasche und begann eine reichliche Portion davon in sein Haar zu massieren. Während er leise vor sich hin summte, versuchte er sich zu erinnern, was für den Rest des Tages noch anstand.

Der Müll!“ rief er und richtete sich ruckartig auf. Diesen verdammten Müll hätte er fast vergessen.

Seit er im Raucherraum das Schild mit der Aufschrift „Müll wegwerfen verboten!“ entdeckt hatte, hortete er die Abfälle in seinem Schrank. Dieser begann allerdings langsam überzuquellen. Er hatte ein paar andere Patienten darauf angesprochen, die hatten allerdings lachend behauptet, damit sei nur gemeint, keinen Müll in den Ascheneimer im Raucherraum zu werfen. Er glaubte ihnen das nicht. Schließlich, davon war Schulz überzeugt, war das Pflegeteam auf der Station ganz sicher in der Lage, Anweisungen klar und unmissverständlich zu formulieren. Vor ein paar Tagen hatte er sich deshalb dazu entschlossen, seinen Müll kurzerhand aufzuessen.

Rasch beendete Schulz seine Haarwäsche, stand auf und begann sich abzuduschen. Es machte einen Heidenspaß, mit der Handbrause von der Badewanne ab und zu mal in den Raum zu spritzen. Das Fenster konnte er mit dem Strahl mühelos erreichen und selbst die Tür ließ sich, im Falle eines Brandes, damit problemlos löschen.

Dann stieg Schulz aus der Wanne und während er sich mit dem großen Badehandtuch abrubbelte, nahm sein Plan für den Nachmittag Gestalt an.

Als Erstes würde er einen kurzen Abstecher zum Supermarkt gegenüber der Klinik machen, um reichlich Senf und Ketchup einzukaufen. Vielleicht noch ein Baguette, als Beilage. Dann würde er seinen Müll im Backofen des Aufenthalts- und Speiseraumes ordentlich schmoren lassen. Danach wollte er in seinem Zimmer alles ganz in Ruhe verzehren.

Voller Tatendrang verließ er das Badezimmer und lief fröhlich pfeifend zu seinem Zimmer. Während er aus seinem Schrank den Geldbeutel und eine Einkaufstüte hervorkramte, breitete sich in ihm ein Gefühl tiefer Zufriedenheit aus. Er würde heute sein Müllproblem beseitigen und falls er sich beeilte, könnte er sicher danach noch mit Hannelore und Jens im Aufenthaltsraum Mensch ärger dich nicht spielen.

Er setzte sich auf seine Bettkante, um ein wenig zu weinen. Diesmal allerdings vor Glück. „Ein schöner Tag.“ dachte er, „Hier sollte ich eine Weile bleiben.

Foto: Petra Bork / pixelio.de

Wehmut

literaturfrey - Kunst und Kultur

Diese Wehmut ist in jedem Menschen.

Sie ist manchmal begraben unter Zorn oder verschüttet unter Dummheit oder vergessen in Oberflächlichkeit, aber, wenn man alles freilegen, abgraben, in Erinnerung bringen würde, dann würde sie zu Tage treten und sie würde etwas erzählen, dass sehr schön ist und jeden Menschen liebenswerter macht.
Es ist die Wehmut über den Verlust, über die eigene Endlichkeit, über das nie ganz erfüllen können, über das Lieben, das an Missverständnissen scheitert, über das Lieben, das scheitert, weil es zum Scheitern geführt wird, über all die schönen Momente die verloren gehen, weil wir uns nicht zeigen was wir fühlen oder nicht verstanden werden, wenn wir es zeigen.

Es würde eine sehr weiche, sehr schöne Seite des Menschen zu Tage treten, die viel erklärt, die meist der Hintergrund ist, für das Dumme und Hässliche des Menschen, nämlich, wenn sich diese stille Wehmut in stummen Zorn und Missgunst und Bosheit…

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In alter Tradition

phrasenflegel

Als Kind
fragte ich
meinen Großvater:

“Warum
habt Ihr nichts
dagegen getan?”

und er
lächelte nur traurig
und schüttelte den Kopf
und antwortete nicht.

Heute schaue ich mich um
und fürchte
unsere Enkel werden fragen:

“Warum
habt Ihr nichts
dagegen getan?”

und wir
werden lächeln
und kopfschütteln
und stumm bleiben

und sie
werden lächeln
und kopfschütteln
und stumm bleiben
üben

und die Fragen
und die Untätigkeit
ihrer Enkel erwarten.

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Ups!

ups

 

Sonnenschirme, Wind, UPS und andere Widrigkeiten…

Wir wohnen in einer ziemlich windigen Gegend. Nein, kein sozialer Brennpunkt oder Ähnliches! Bei uns hinterm Deich weht einfach häufig mal ein kräftiger Wind. Kein Problem für Frau, Hund und mich, für einen Sonnenschirm schon eher.

Den ersten Sonnenschirm, den wir aus einer weniger „frischen“ Gegend mitgebracht hatten, durften wir schon bald verabschieden, aber das hat uns nicht weiter irritiert. Er war halt etwas schwächlich. Der zweite seiner Gattung, war dann folgerichtig größer und stabiler, sehr viel stabiler. So stabil, dass er bei kräftigem Wind auch schon mal die Bodenplatten der Terrasse, an denen ich seinen Fuß festgedübelt hatte, anheben konnte. Immerhin, er hat eine Menge ausgehalten. Leider hatte er eine Schwachstelle, die der Wind irgendwann gefunden hat. Das Kunststoffgelenk, an dem die große Ampel aufgehängt war, entschloss sich eines Tages, dem Drängen des Windes nachzugeben. Ende der Vorstellung!

Dies Kunststoffgelenk hatte sich ohnehin von Anfang an als feindlich gesinnt erwiesen. Wann immer wir den Sonnenschirm so ausgerichtet hatten, dass ausreichend Schatten auf die Garten- und Liegestühle fiel, gab es dem nächsten Windstoß durch freudiges Verwinden nach, um sich ein wenig zu drehen und uns den Schatten zu entziehen. Nun war es durch diese Verwinderei zerbrochen – das hatte es redlich verdient.

Der verständnisvolle Lieferant tauschte den Schirm alsbald gegen ein neues Exemplar aus und unseren Ruhestunden auf der sonnigen Terrasse stand nichts mehr im Weg.

Nichts mehr? Nun ja, das stimmt nicht ganz. Der festgedübelte Fuß begann alsbald wieder munter, die Steine anzuheben. Das konnte nicht so bleiben. Also musste Abhilfe her. Etwas Beton, längere Dübel und vier schwere Betonplatten, um den Fuß von oben zu beschweren, zeigten sich als geeignete Lösung.

Leider trat jetzt ein weiterer Schwachpunkt der Schirmkonstruktion in Erscheinung. Der Metallpfahl, an dem die Schirmampel aufgehängt wird, weitet sich am unteren Ende zu einer Platte aus, die mit vier Schrauben an dem Fuß befestigt wird. Diese Platte mochte nun die ganze Kraft des Windes nicht mehr aushalten. Sie begann sich zu verformen, so dass der Sonnenschirm immer mehr in eine seltsame Schräglage geriet.

Kein wirkliches Problem, denn die Schlosserei im Ort fertigte uns einen dicken Verstärkungsring aus kräftigem Stahl, der diesem Hang des Schirmes sich dem geraden, aufrechten Stand zu verweigern, ein Ende setzte. Unsere Probleme mit dem Sonnenschirm schienen nun endgültig beseitigt zu sein.

Schienen – dies Wort lässt Sie sicher schon ahnen, dass unsere Probleme nur scheinbar gelöst waren.

Irgendwann, recht bald, meldete sich das bereits erwähnte Kunststoffgelenk wieder zu Wort. Also eigentlich war es gar kein Wort, mit dem sich das Gelenk äußerte, es war mehr so eine Art Geräusch. Das klang ungefähr wie Kkkrrrrch…
Der freundliche Lieferant erklärte sich bereit, auch diesen Schirm umzutauschen und schickte uns zügig einen neuen, dritten Schirm. Unser Glück schien fast vollkommen, aber nun trat UPS in unser Leben. UPS, nicht zu verwechseln mit dem Ausruf „Ups!“ ist der bevorzugte Paketdienst unseres Lieferanten, unsere Lieblingsdienstleister in diesem Bereich ist er sicher nicht.

Eine Zeit lang war es ganz schön schwierig, in den Besitz der für uns gedachten Pakete zu gelangen. Warum? Nun um das nachvollziehen zu können, muss man wissen, dass unser Haus so ca. 80 m von der Einfahrt entfernt, im Inneren des Grundstücks liegt. Den Garten hinter unserem Haus haben wir eingezäunt, um unserem Hund die Jagd auf Rehe, Hasen oder Nachbarskatzen zu erschweren, aber von vorn ist das Grundstück ungehindert zu betreten oder zu befahren. So dachten wir jedenfalls.

Der UPS Auslieferungsfahrer sah das ganz anders. Ihn störte der Aufkleber an unserem Briefkasten neben der Grundstückseinfahrt und hinderte ihn, unser Grundstück zu betreten. Dieser Aufkleber zeigte einfach nur das freundliche Gesicht unseres Hundes, aber das löste bei dem – ansonsten sehr netten und umgänglichen Fahrer – geradezu Panikanfälle aus.

Stellen Sie sich vor, sie sitzen bei Sonnenschein auf der Terrasse hinter ihrem Haus, aus dem Tablet ertönt leise Musik, sie dösen so vor sich hin und genießen die Schönheit der Gegend und des Lebens schlechthin. Wenn dann ungefähr 100 Meter entfernt ein UPS Lieferwagen auf der Straße anhält und der Fahrer aus dem Fenster in Richtung Haus ruft: Hallo, ein Paket für Sie!“, liegt ihre Chance, diese leisen, ängstlichen Rufe zu hören, ungefähr bei Null. Deshalb bekommen sie ihr Paket dann eben nicht, sondern nur ein Kärtchen, vom Auslieferungsfahrer durch das geöffnete Seitenfenster seines Fahrzeugs hastig in den Briefkasten geschoben. Auf diesem Kärtchen steht, wo und wann Sie ihr Paket abholen können. Immerhin!

Nach mehreren solcher Zustellungsversuche (so nennt sich dies Verhalten auf den Benachrichtigungskärtchen), habe ich den Fahrer dann mal erwischt. Er war gerade ein Stückchen in unsere Einfahrt hineingefahren, um sein Fahrzeug zu wenden, als ich ihn entdeckte und hastig zu ihm hinlief.

„Wollen Sie unser Paket nicht vielleicht doch hierlassen?“ fragte ich ihn freundlich lächelnd.
„Ich habe gerufen, das tue ich immer!“ war seine trotzige Antwort.
„Und Sie glauben,“ fragte ich den Fahrer, ausgesucht freundlich säuselnd, „das kann man 100 Meter weiter, hinter dem Haus hören?“
Der kräftig gebaute, braungebrannte junge Mann sackte ein wenig zusammen und murmelte dann kleinlaut: „Ich kann doch nichts dafür, wenn Sie so einen Monsterhund haben.“
„Der ist noch ganz jung, verspielt und freundlich!“ entgegnete ich etwas säuerlich.
„Das sagen sie alle!“ protestierte mein tapferer Fahrer, „und dann, zack, ist die halbe Wade weg.“

Das brachte mich zum Lachen und schon halbwegs versöhnt mit diesem tapferen Recken, der seine Angst nun offen zugab, deutete ich auf die Durchgänge links und rechts neben dem Haus.
„Wie Sie sehen, ist doch alles eingezäunt, es besteht also gar keine Gefahr für Leib und Leben.“
Der Fahrer hob zweifelnd die Hand: „Weiß ich, wie hoch der springen kann? Auch wenn er noch jung ist, so ist er doch jetzt schon fast so groß wie ein Kalb.“

Nach diesem erheiternden Austausch bekam ich unser Paket und der jugendlich forsch fahrende Bote zog seines Weges. Danach übernahm übrigens ein anderer Fahrer diese Auslieferungstour. Der war weitaus cleverer! Er hinterlegte das Benachrichtigungs-kärtchen gleich beim Nachbarn, 50 Meter vor unserer Grundstückseinfahrt, so dass wir ihn nie zu Gesicht bekamen.
Aber das alles nur nebenbei! Den dritten Sonnenschirm lieferte ein gesetzterer, offenbar altgedienter, erfahrener UPS’ler, über den nichts Nachteiliges zu vermerken ist.

Das eigentliche Problem will ich, nach dieser langen Vorgeschichte, nun endlich auch noch erwähnen.

Der Lieferant unseres Sonnenschirmes wollte selbstverständlich den kaputten Schirm zurück, um den Schaden seinerseits beim Hersteller geltend zu machen. Beim ersten Umtausch war das kein Problem, da hatte ich die Verpackung des ersten Schirmes noch. Gleich nach dem Abbau hatte ich den Schirm und all seine Bestandteile wieder in der Verpackung verstaut und so konnte ich dem UPS Fahrer diesen – gleich bei der Lieferung des Ersatzschirmes – wieder mitgeben.

Diesmal hatte ich jedoch die Verpackung einige Monate nach der Lieferung entsorgt (wer hebt schon gern einen 2,40 langen Karton für immer und ewig in seinem Keller auf?).

Der clevere Lieferant hatte eine Lösung. Er schlug vor, dass ich den kaputten Schirm doch einfach in den Karton des neuen Schirmes packen solle und zum Behuf der Rücksendung hatte er gleich einen Rücksendeaufkleber per Mail geschickt. Das schien – auf den ersten Blick – der perfekte Weg, um diesen Umtausch abzuwickeln. Das Einzige, was nun noch zu tun blieb, war mit UPS eine Abholung zu vereinbaren.

Montagvormittag, gegen 10 Uhr, setzte ich mich also an meinen Computer, um online bei UPS die Abholung des Paketes zu beantragen. Zunächst einmal beantwortete ich die Frage, ob ich einen Versandaufkleber mein Eigen nenne, freudestrahlend mit einem Klick auf „Ja“.

Daraufhin öffnete sich ein Fenster (kann ein Fenster unsäglich sein?), in das ich die Kontrollnummern eintragen sollte. Ich begann mit der ersten, im Großdruck hervorstechenden Nummer. Daraufhin erschien die Meldung, ich solle diese Nummer korrigieren. Ich trug also die nächste, auf dem Etikett lesbare Nummer ein, was mir vom Programm damit quittiert wurde, dass sich ein weiteres Fensterchen mit einer Zeile für noch eine Nummer öffnete. Was auch immer ich versuchte, egal, welche Nummern ich in welcher Reihenfolge versuchte einzutragen, es blieb der Hinweis, ich solle die Kontrollnummern korrigieren. Entnervt klickte ich schließlich auf das Feld „Weiter“, woraufhin mir angekündigt wurde, das Paket würde am selbigen Montag um 8:00 Uhr abgeholt. Nach einem raschen Blick auf meine Uhr – sie zeigte mittlerweile 10:30 Uhr – verwarf ich dies Ansinnen, schloss die UPS Seite und öffnete sie dann noch einmal neu, um von vorn zu beginnen.

Der Kampf mit Fenstern, Kontrollnummern und Korrekturhinweisen zog sich erneut eine halbe Stunde lang hin, bis ich schließlich die Meldung erhielt, am Dienstag, dem folgenden Tag, ab 8:00 Uhr sei mit der Abholung zu rechnen.

Sie ahnen es schon, heute, am Mittwochnachmittag, steht der Schirm immer noch hier. Kein UPS Fahrer hat sich blicken lassen, kein verschämtes Kärtchen lag in unserem Briefkasten und die von UPS angekündigte SMS mit der genauen Abholzeit ist auch nicht eingetroffen.

Was blieb mir also anderes, als mein Glück telefonisch zu versuchen? Bei einem Gespräch von Mensch zu Mensch lassen sich Dinge ja mitunter viel leichter regeln, als in dem diffizilen Beziehungsgeflecht zwischen Mensch und Onlineformular.

Für meinen ersten Versuch hatte ich die, von UPS per SMS Kontakt am Vortag vorgeschlagene 0800..ter Telefonnummer auserkoren. Die ist immerhin kostenlos und war deshalb natürlich meine erste Wahl. Zu meiner Enttäuschung war jedoch eine Ansage zu hören, in der mir mitgeteilt wurde, dass diese Nummer für den technischen Support nicht mehr aktiv sei, was mich etwas erstaunte. Sie mir doch am Tag zuvor von selbigen Unternehmen empfohlen worden.

Stattdessen sollte ich nun eine Nummer mit der Vorwahl 06966… anrufen. Schnell legte ich den Hörer beiseite, um einen Zettel und einen Stift hervorzukramen. Utensilien, die man im Zeitalter der elektronischen Kommunikation ja nicht mehr immer und sofort bei der Hand hat. Als ich den Hörer wieder aufhob, hörte ich gerade noch, wie eine andere, seltsam gepresst klingende Stimme sich auf Englisch verabschiedete. Beim zweiten Versuch konnte ich dann die Nummer notieren und rief gleich freudig erregt an.

Eine Computerstimme meldete sich und befahl mir, wenn ich Fragen zur Installation der UPS App habe, die „Eins“ zu drücken und bei Fragen zu UPS allgemein oder zu einer Abholung, etc. die „Zwei“. Ich drückte also die Zwei und wurde nun aufgefordert, mein Anliegen zu benennen. ‚Kluge Maschine‘ dachte ich so bei mir und sagte dann laut und deutlich „Abholung“!

Nach einer Pause empfahl mir die Computerstimme, in dieser Sache die kostenpflichtige Nummer 01806… anzurufen.

Meine Gedanken bekamen langsam eine rötliche Färbung. Glücklicherweise hatten Zettel und Stift ja bereitgelegen und die Nummer war nun für den nächsten Versuch vor meinen Augen. Nach dem Wählen erklärte mir eine andere Computer- oder Bandstimme zunächst, dass dieser gesamte Anruf, auch wenn es zwischendurch zu Wartezeiten käme, nur 20 Cent kosten würde. Ich stellte mich innerlich schon auf eine längere Wartezeit ein, hörte dann aber zum Abschluss der Ansage mit Beruhigung, dass die Wartezeit nicht länger als maximal 3 Minuten dauern könne.

Dann kam der Computer zur Sache: „Welches Anliegen haben Sie?“ fragte er und zählte danach die vorgegebenen Möglichkeiten auf. Das kannte ich nun schon sagte an der passenden Stelle laut und kräftig: „Abholauftrag!“.

Der Computer schwieg. Nach einer gefühlten Ewigkeit sagte die Computerstimme – ich könnte schwören, mit einem spöttischen Unterton – „Bitte geben Sie ihre Telefonnummer an und beginnen sie mit der kompletten Vorwahl.“ Da ich mich sehr selten selbst anrufe, konnte ich meine Festnetznummer nicht hersagen und mir entfuhr ein leises, unterdrücktes „Scheisse“.

„Ich konnte sie nicht verstehen, bitte wiederholen sie laut und deutlich ihre Telefonnummer und beginnen Sie mit der Vorwahl.“

Meine Gedanken verfärbten sich in Richtung dunkelrot und ich griff nach meinem Handy, um die gespeicherte Festnetznummer im Telefonbuch nachzuschauen.

Plötzlich begann der Rauchmelder in unserem Arbeitszimmer ohrenbetäubend zu schrillen. Das Telefon fiel mir aus der Hand, während ich erschrocken und entsetzt aufsprang und verzweifelte Blicke zur Wand warf, von wo kurz unter der Zimmerdecke der terroristische Angriff auf mein Gehör stattfand. Nachdem ich auf meinen Stuhl geklettert war, den Rauchmelder abgenommen und mit einer neuen Batterie versehen hatte, nahm ich den Telefonhörer wieder zur Hand.

Der Computer hatte zwischenzeitlich die Verbindung beendet. Computer sind eben auch nur begrenzt geduldig.

Wissen Sie was? Ich habe mich mittlerweile ein wenig beruhigt und bin jetzt bereit, einen prima Sonnenschirm, dunkelgrün, 3,80 Meter Durchmesser mit einem kleinen Defekt an der Ampelbefestigung zu verschenken. Sie brauchen ihn nur hier abzuholen.

Zeitraffer

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Erst sind Tage noch wie Jahre
Lebenszeit im Überfluss,
ein Ende noch undenkbar.
Ein Marienkäfer auf der Hand
ungeheuer faszinierend und wichtig.
Die Welt ist groß und spannend,
will entdeckt und erobert werden.

Dann, irgendwann, sind Tage
einfach nur noch Tage
abgezählte vierundzwanzig Stunden
die eingeteilt und verplant werden.
Zeit wird kostbar, wird Geld
und die Welt zeigt schon lange
ihre enger werdenden Grenzen.

So vieles gewünscht, geträumt
vorgenommen und angefangen.
Fokussierung und Selbstbeschränkung
Notwendigkeiten, Sachzwänge und
eine Wirklichkeit, der es sich
unterzuordnen gilt. Die Religion
einer neuen, anderen Zeit.

Das Leben hat Fahrt aufgenommen.
Wochen vergehen wie Tage,
Monate wie Wochen  – und Jahre
werden die kleinen Lücken
zwischen zwei Urlauben.
Kurze Zeitspannen zwischen
Weihnachten und Weihnachten.

Wenn dann Tage wie Minuten
zu verrinnen scheinen,
drängen sich Fragen auf.
Wie viele kommen noch?
Werden sie gut sein
oder mühsam und schmerzhaft?
War’s das schon?

Keine Garantie mehr für einen
nächsten, neuen Tag.
Rückblicke ersetzen Pläne.
Erinnerungen, gestern noch
kleine, glitzernde Schätze,
werden Lebensinhalt,
Dauerwohnsitz und Asyl.

War es gut, war es schlecht?
Was bleibt von diesem Leben?
Bleibt überhaupt etwas
von uns, von unseren Gedanken,
von unseren Taten und Werken?
Haben wir etwas geschaffen
oder haben wir nur verbraucht?


Foto: Dörthe Huth  / pixelio.de