Die Zukunft vorhersagen

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Ein paar erstaunliche Dinge habe ich in diesem Jahr gelernt. Wussten Sie, dass Schimpansen zu einer vielfach größeren Kurzzeit – Gedächtnisleistung fähig sind, als wir Menschen? Einer der führenden Primatenforscher aus Japan hat das in langjährigen Forschungen anhand erstaunlicher Experimente bewiesen. Seine These ist übrigens, dass wir Menschen diese Fähigkeit mit dem Erwerb der Sprache und der Fähigkeit zum kognitiven Austausch verloren haben. (Ein interessantes Video dazu findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=ktkjUjcZid0 )

Die Entwicklung und die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns sind ganz allgemein ein Thema, das mich in 2018 fasziniert und begleitet hat.
Energie und Information, sind die Bausteine des Universums und Hans Peter Dürr formulierte so treffend: „Wirklichkeit ist im Grunde Potentialität, nicht Realität.“ Das bringt den nachdenklichen Interessenten irgendwann zu der Frage, was es mit unserem Bewusstsein und unserer Wahrnehmung der Wirklichkeit denn auf sich hat. Die Hirnforschung bestätigt uns, dass jeder von uns seine eigene Vorstellung von der Wirklichkeit hat, obwohl wir durch unsere Sinnesorgane doch ein und dieselben Informationen erhalten. Wir können aus dem, was wir beobachten, auf das schließen, was als Nächstes oder in überschaubarer Zukunft passieren wird, wobei wir auch in diesem Fall zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen und Erwartungen kommen. Grundsätzlich war und ist diese Fähigkeit allerdings für unser Überleben von immenser Bedeutung.

In seinem Buch „Unser mathematisches Universum“ schreibt der Kosmologe und Wissenschaftsphilosoph Max Tegmark, dass einer der Hauptzwecke der Wissenschaft und in der Tat auch einer der Hauptzwecke, ein Gehirn zu haben, die Vorhersage unserer Zukunft sei.
Unsere Wirklichkeit, so weist er in diesem interessanten Buch nach, kann eine mathematische Struktur sein, die Raum, Zeit, Materie und sogar uns selbst enthalten kann. Er folgert daraus, dass wir, zumindest im Prinzip, imstande sein könnten, durch Analyse von Beobachtermomenten Vorhersagen über unsere Zukunft machen könnten.

Nun, im Prinzip tun wir das ja auch, nur wählt unser Gehirn nicht den Weg über komplizierte, mathematische Berechnungen. Wenn ein Basketballspieler den Ball in Richtung Korb wirft, dann weiß er, dass der Ball den Weg einer Parabel nehmen wird und intuitiv kann er bestimmen, wieviel Kraft er mit seinem Arm auf den Ball ausüben muss und welchen Bogen sein Arm beim Wurf beschreiben muss, damit der Ball in den Korb trifft. All das könnten wir auch berechnen, aber offensichtlich hat unser Gehirn einen Weg gefunden, in Echtzeit den Istzustand mit Erfahrungswerten abzugleichen um das gewünschte Ergebnis herbeizuführen.

Für die prinzipiell mögliche Vorhersage unserer Zukunft allgemein hat unser Gehirn keine so geniale Abkürzung gefunden und eine entsprechende mathematische Berechnung liegt vollkommen außerhalb unserer Möglichkeiten. Dabei wäre es doch gerade am Ende eines Jahres überaus wünschenswert, einen realistischen Blick in das tun zu können, was das Leben im nächsten Jahr für uns bereit hält. Ein paar Dinge können wir natürlich schon vorhersagen und planen. Der Schimpanse weiß z.B., dass nach jedem erfolgreichen Durchlauf eines Gedächtnisexperimentes – das wir Menschen übrigens nicht einmal ansatzweise bewältigen könnten – aus einer Klappe ein Nahrungshappen in eine Auswurföffnung fällt, wo er ihn entnehmen kann. Etwas mehr ist uns Menschen dann doch möglich. Urlaub, Geburten, Festtage, Beförderungen, Jobwechsel, sehr vieles lässt sich planen und voraussehen.

Allerdings können wir nur solche Fixpunkte und Highlights mit halbwegs akzeptabler Wahrscheinlichkeit voraussehen. Ob der Lieblingsbäcker am 2. Januar morgens um 10:00 Uhr noch Sesambrötchen haben wird, können wir genauso wenig mit Bestimmtheit sagen, wie wir voraussehen können, ob an der Einmündung zur größeren stark befahrenen Straße, jeder immer die Vorfahrt beachten wird, ob wir gesund bleiben, unseren Job definitiv behalten werden oder unsere Partnerschaft auch im kommenden Jahr Dick und Dünn aushalten wird.

Wenn, wie Tegmark es ausdrückt, der Hauptzweck unseres Gehirns darin liegt, die Zukunft vorhersagen zu können, dann jedenfalls auf eine sehr eingeschränkte Weise. Natürlich ist es überlebensnotwendig in jedem Moment voraussehen zu können, welche Ereignisse unsere Handlungen unmittelbar zur Folge haben werden, um nicht schon an der nächsten roten Ampel getötet zu werden. Aber das ist keine sehr große Zeitspanne und es wäre doch eine feine Sache, ein wenig weiter sehen zu können.
So bleibt uns nur die Möglichkeit zu nehmen, was kommt und wie es kommt. Wir sind gezwungen, auf alles gefasst zu sein und doch nichts definitiv erwarten zu können. Diese eingebaute grundlegende Unsicherheit des menschlichen Lebens, verstehen wir hervorragend zu verdrängen und zu übertünchen.

Im Grunde ist diese Unsicherheit allerdings auch nur dann von Bedeutung, wenn wir auf uns allein gestellt sind und unsere Existenz einer von unzähligen Zufällen im Laufe der Entstehung des Universums ist.
Ob die Zeit nun fließt oder nicht, ob sie eine Illusion ist oder einfach nur ein Hilfskonstrukt, dass uns ermöglicht zu leben und zu erleben, verliert seine Relevanz angesichts der Tatsache, dass es einen Ursprung, einen Schöpfer und Erhalter all dessen gibt, was ist. Für ihn sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überschaubar und wer sich ihm anvertraut, dem gibt er die Gewissheit, dass am Ende alles gut sein wird. Im Vertrauen darauf, lässt sich auch 2019 mit froher Erwartung angehen, wie all die Jahre zuvor.

Diese frohe Erwartung voller Gelassenheit und doch auch voller Hoffnung, wünsche ich allen meinen Lesern.

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Wehmut

literaturfrey - Kunst und Kultur

Diese Wehmut ist in jedem Menschen.

Sie ist manchmal begraben unter Zorn oder verschüttet unter Dummheit oder vergessen in Oberflächlichkeit, aber, wenn man alles freilegen, abgraben, in Erinnerung bringen würde, dann würde sie zu Tage treten und sie würde etwas erzählen, dass sehr schön ist und jeden Menschen liebenswerter macht.
Es ist die Wehmut über den Verlust, über die eigene Endlichkeit, über das nie ganz erfüllen können, über das Lieben, das an Missverständnissen scheitert, über das Lieben, das scheitert, weil es zum Scheitern geführt wird, über all die schönen Momente die verloren gehen, weil wir uns nicht zeigen was wir fühlen oder nicht verstanden werden, wenn wir es zeigen.

Es würde eine sehr weiche, sehr schöne Seite des Menschen zu Tage treten, die viel erklärt, die meist der Hintergrund ist, für das Dumme und Hässliche des Menschen, nämlich, wenn sich diese stille Wehmut in stummen Zorn und Missgunst und Bosheit…

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In alter Tradition

phrasenflegel

Als Kind
fragte ich
meinen Großvater:

“Warum
habt Ihr nichts
dagegen getan?”

und er
lächelte nur traurig
und schüttelte den Kopf
und antwortete nicht.

Heute schaue ich mich um
und fürchte
unsere Enkel werden fragen:

“Warum
habt Ihr nichts
dagegen getan?”

und wir
werden lächeln
und kopfschütteln
und stumm bleiben

und sie
werden lächeln
und kopfschütteln
und stumm bleiben
üben

und die Fragen
und die Untätigkeit
ihrer Enkel erwarten.

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There is a crack in everything

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Es gibt Menschen, in deren Lebenslauf Brüche sichtbar sind, deren Herz Narben trägt und deren Seele Risse davongetragen hat. Zu diesen Menschen gehöre auch ich. Aber ich gehöre auch zu denen, die bestätigen können, was Leonhard Cohen († 10. November 2016) in unvergleichlich poetischer Weise gesungen hat.

 

 

 

There is a crack in everything
That’s how the light gets in.

 

 

Mit seinem kürzlich veröffentlichten Album hat er mir und sicher vielen Millionen Menschen auf der ganzen Welt, ein wundervolles letztes Geschenk gemacht.

Be aware

Emotions

Foto:  Heiwa – Frieden      https://cbeachblog.wordpress.com/2015/09/27/heiwa/

Gegen das Vergessen

Diesem Aufruf von Sylvia Kling folgen alle,

die nicht schweigen wollen

die aus der Geschichte gelernt haben

die aktiv gegen den neu entstehenden Rechtsruck

angehen wollen.

Künstler, Kreative, wirklich Besorgte

Menschen, die wissen

wie wichtig unser demokratisches System ist

auch wenn es noch lange nicht perfekt ist.

Aber dagegen können und wollen wir etwas tun:

https://sckling.wordpress.com/portfolio/gegen-das-vergessen/

Ich würde mich sehr freuen,

wenn ihr per aktiver Teilnahme zeigt,

dass ihr dem Mob keine Chance gebt.

Ich danke euch sehr 👍

Sabine Adameit

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